Etappe 6 – Von Küste, Wildnis und Wasser: Porto Ota nach Porto Vecchio
Der Morgen in Porto Ota begrüßte uns mit Postkartenwetter. Blauer Himmel, klare Sicht, das erste Licht auf den roten Granitfelsen – genau die Art von Start, die einem das Grinsen unter dem Helm festzementiert. Die Maschinen schnurrten, und wir machten uns auf in Richtung Süden, zunächst entlang der spektakulären Küstenstraße nach Cargèse.
Diese Strecke war Motorradkino pur: Klippen, Meerblick, fließende Kurven. Und weil wir früh unterwegs waren, gehörte uns die Straße fast allein – eine der wenigen Strecken, bei denen man vergisst, wie viele Kilometer man schon gefahren ist.
Nach Cargèse bogen wir ins Landesinnere Richtung Ajaccio ab. Die Straßen wurden enger, die Landschaft dichter, die Berge wuchsen wieder. Ajaccio ließen wir zügig hinter uns – zu viel Trubel, zu wenig Kurve – und tauchten ein in den verborgenen, wilderen Teil der Insel.
Was jetzt folgte, war eine Fahrt durch Korsikas grüne Seele: Kleine, verwegene Wege, kaum asphaltiert, oft kaum einspurig, von der Natur langsam zurückerobert. Büsche und Blüten rankten sich über die Leitplanken, knorrige Bäume warfen Schatten auf die Straße, die mehr nach Geschichte als nach Infrastruktur roch.
Es war langsam, aber intensiv. Jeder Kilometer fühlte sich an wie erarbeitet. Ein ständiger Tanz zwischen Kupplung, Bremse, Blickführung. Fahrspaß in seiner rohen Form. Irgendwo bei Propriano wussten wir: Diese Strecke nimmt man nicht mal eben so mit – sie nimmt dich mit.
Bei Figari wurden die Straßen wieder zivilisierter, der Asphalt glatter, die Kurven großzügiger. Der Süden Korsikas schien uns wieder aus dem wilden Herzen der Insel willkommen zu heißen – und mit jedem Kilometer rückte Porto Vecchio näher.
Dort wartete allerdings keine Belohnung, sondern eine dunkle Wolke, die uns bereits von weitem beobachtete. Aber diesmal waren wir schlauer: Die Regenklamotten saßen, bevor der erste Tropfen fiel. Ein satter, warmer Sommerregen setzte ein – stark, aber nicht unangenehm. Mitten im Strom des Regens rollten wir in Porto Vecchio ein.
Die Unterkunft? Eher zweckmäßig. Eines dieser Hotels, bei dem man froh ist, dass es ein Dach hat – aber das war heute genug. Viel wichtiger: Essen.
Also ab in die Stadt, nasse Stiefel gegen festes Schuhwerk getauscht, und auf Restaurantsuche. Und wie so oft nach einem vollen Tag: Selbst das einfachste Essen schmeckt, wenn man es sich verdient hat. Und das hatten wir heute – ohne Zweifel.
Fazit des Tages: Korsika zeigt sich heute wild und ursprünglich. Wer sich traut, abseits der Hauptstraßen zu fahren, wird mit einem echten Gefühl von Freiheit belohnt. Und mit ein bisschen Regen – zur Erinnerung, dass man nie alles kontrollieren kann.








