Der Tag begann, wie ein perfekter Reisetag beginnen sollte: ein leckeres Frühstück , ein klarer Himmel und angenehme 16 Grad – genau richtig, um das Hochland der Toskana auf zwei Rädern zu durchqueren. Schon nach den ersten Kilometern war klar: Heute wird ein Fahrtag für’s Herz. Kleine Straßen, verkehrsarm, mit traumhaften Pässen und Blicken, die jeden Postkartengestalter neidisch machen würden. Weite Hügel, Zypressen, das leise Brummen der Enduros – die Toskana zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. In der Ferne, über den Hügeln, lag Florenz – aber wir ließen die Stadt links liegen , zu groß, zu trubelig für das, was wir heute suchten: Ruhe, Straße, Landschaft. Kurz darauf kündigte ein unscheinbares Schild am Wegesrand den Wechsel an: Toskana Ende – Emilia-Romagna Beginn. Für uns: Zeit für eine Pause. Und für eine Portion Spaghetti Carbonara , wie sie nur in Italien schmeckt: einfach, ehrlich, auf den Punkt. Gestärkt ging es weiter – eigentlich mit dem Plan...
Ein letztes Mal Frühstück, ein letztes Mal das Ritual des Packens – Verona verabschiedete uns mit Sonne , aber dunkle Wolken über dem Gardasee ließen uns die Route spontan ändern. Statt Richtung See und Gewitterfront fuhren wir auf der Landstraße unterhalb des Brenners Richtung Innsbruck . Die Fahrt war ruhig, angenehm, fast meditativ. Nach all den Kurven, Pässen, Städten und Staus der letzten Tage war es genau das richtige Tempo zum Abschalten. Am frühen Nachmittag erreichten wir Innsbruck , wo wir in einem schattigen Biergarten Platz fanden. Kaltes Getränk, gutes Essen – und als Sahnehäubchen: der Start des Formel-1-Rennens in Barcelona live auf der Großbildleinwand. Zwei alte Tourveteranen, Benzin im Blut – wie könnte man eine Reise besser ausklingen lassen? Der letzte Abschnitt führte uns wieder an den Anfang: Rückkehr zum Ausgangspunkt , genau dort, wo wir uns vor zwei Wochen in München getroffen hatten. Kurz vor dem Ziel dann nochmal ein Klassiker auf deutschen Straßen...
Die Nacht in Livorno war besser als erwartet. Das Hotel schlicht, aber solide – und das Restaurant, das wir am Abend fanden, war ein Volltreffer. Italienische Küche ohne Show, aber mit Seele: Pasta wie sie sein muss, ein kühler Weißwein, und Gespräche über vergangene Touren, neue Ziele – und ein bisschen über Martin. Die Vorfreude auf Korsika war greifbar. Am Morgen machten wir uns früh auf den Weg zum Hafen . Diesmal lief alles rund: Die Tickets griffbereit, der Check-in zügig, das Einweisen der Maschinen professionell. Die Fähre, ein eher nüchternes Arbeitstier, nahm uns auf, verzurrte uns im Bauch, und dann hieß es: Vier Stunden Überfahrt. Wir nutzten die Zeit zum Runterkommen. Der Blick übers offene Meer, der Fahrtwind an Deck, das gleichmäßige Dröhnen der Maschinen im Schiffsrumpf – eine stille Einstimmung auf das, was vor uns lag. Keine Hektik, kein Stress. Nur das Meer. Und irgendwann: Bastia am Horizont . Die Ankunft auf Korsika fühlte sich an wie ein Neuanfang. Da...