Etappe 1 – Wenn der Plan auf der Straße bleibt: Von München über den Jaufen- und Gampenpass Richtung Gardasee

Eigentlich sollte unsere erste Etappe in Meran enden. Das war der Plan. Und wie das mit Plänen so ist – sie sind wunderbar, solange man sie nicht zu ernst nimmt.



Nach unserem gemeinsamen Start hinter München lief der Tag wie auf Schienen. Zwei Maschinen, perfekt abgestimmt, das Gepäck sauber verzurrt, der Sound der Motoren tief und vertraut. Hinter Garmisch schraubten wir uns langsam ins Gebirge. Über Seefeld, Sterzing und schließlich auf den Jaufenpass – ein erstes Highlight. Der Asphalt noch kühl vom Frühjahr, die Kehren eng, aber nicht heimtückisch. Wir grinsten im Helm, denn genau dafür machen wir das.



In Meran angekommen, war es noch früh. Der Fahrtag lag gut in den Knochen, aber nicht schwer. Die Sonne stand hoch, und irgendwo zwischen einem Tankstopp und einem schnellen Espresso an der Straße fiel der Satz:

„Was meinst du – weiter?“



Ein Blick. Ein Nicken. Keine große Diskussion. Einfach das Gefühl, dass da noch was geht.


Und so fuhren wir weiter – spontan, frei, genau wie früher – über den Gampenpass, der sich leise, aber eindrucksvoll in unsere Etappenlogik schob. Der Pass ist weniger bekannt als sein großer Bruder Jaufen, aber nicht weniger reizvoll. Dichter Wald, enge Serpentinen, wenig Verkehr. Die Straße schlängelte sich durch eine stille, fast meditative Landschaft – es war, als hätte sie nur auf uns gewartet.


Oben am Pass hielten wir kurz an. Kein Spektakel, kein Touristenrummel. Nur der Wind, das Knacken der abkühlenden Motoren und ein weiter Blick über Südtirol. Es war einer dieser stillen Momente, in denen wir beide wussten: Das hier – das ist es. Dafür fahren wir.


Von dort ging es in sanftem Tempo weiter Richtung Gardasee. Die Sonne wurde weicher, die Straße flüssiger. Unten in der Ebene begann es schon nach Italien zu riechen – Staub, Wärme, Rosmarin.



Unsere erste Unterkunft fanden wir irgendwo zwischen Riva und Limone, bei Malcesine, keine Glanzleistung der Planung, aber eine Meisterleistung des Timings. Die Maschinen parkten wir unter Palmen, die Helme kamen runter, und während das erste Bier auf dem Tisch stand, sagte einer von uns:


„Meran war schön – aber das hier ist genau richtig.“

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